Als Zocker in Nadelstreifen den Finanzmarkt vor wenigen Jahren an den Abgrund und fast darüber hinaus fuhren, da gerieten Managerboni schwer in die Kritik. Sie seien schuld am Überschäumen des Marktes. Die Wirtschaft konterte, dass Boni als Leistungsanreiz unerlässlich seien. Das klingt zunächst logisch. Ein Hund gehorcht schließlich auch, wenn er ein Leckerli erwarten kann.
Menschen sind aber keine Hunde. Schon Ende der fünfziger Jahre fand der Psychologe Frederik Herzberg heraus, dass Belohnungen und andere Motivationsversuche allenfalls Demotivation vermeiden können. Wer anständig bezahlt wird, Lob empfängt, vielleicht sogar am Erfolg des Unternehmens beteiligt wird, der fühlt sich geschätzt. Aber er wird dadurch nicht zu mehr Leistung motiviert. Und der Managementexperte Jim Collins konnte in einer Untersuchung in den 1990er-Jahren zeigen, dass es eher die Firmen mit mittleren Managervergütungen sind, die nachhaltig High Performance zeigen.
Wirtschaft vs. Forschung
Echte Motivation kommt von innen. Der amerikanische Motivationsexperte Daniel Pink sagt daher: „Die Wirtschaft macht immer noch das genaue Gegenteil von dem, was die Forschung längst weiß.“ Recht hat er, sagen auch die Neurobiologen. Die Hirnforscher können inzwischen zeigen, dass Motivation immer dann entsteht, wenn Menschen positive Erfahrungen bei der Bewältigung von Herausforderungen machen. Immer dann, wenn uns etwas gut gelingt, wird im Gehirn Dopamin ausgeschüttet. Dieses Glückshormon verschafft uns nicht nur ein gutes Gefühl, sondern fördert neuronale Wachstumsprozesse und damit die Verstärkung von Synapsen oder die Bildung neuer Verknüpfungen. Motivation ist somit das Resultat eines positiven Lernvorgangs.
Sinnlose Konditionierung
Sämtliche Konditionierungsversuche – dazu gehören Lob und Tadel ebenso wie Boni und Incentives – sind allenfalls gut gemeinte Versuche zur Motivation, mehr nicht. Boni fördern darüber hinaus eher die Haltung, besser sein zu wollen als der andere und bereiten dadurch einer von Konkurrenz und Futterneid geprägten Atmosphäre den Weg. Wer Menschen wirklich motivieren will, der sollte ihnen Freiräume geben, um Herausforderungen zu meistern und über sich hinauszuwachsen. Gute Führungskräfte wissen das. Sie fördern Menschen, übertragen Verantwortung und bieten ihren Leuten Entwicklungsperspektiven. Und sie sind Sinnstifter. Sie können Visionen entwickeln und Menschen begeistern. Das ist die Mixtur, aus der Motivation entstehen kann.
Boni und Incentives? Netter Versuch …
Thursday, 09. February. 2012 | kommentare & kolumnen | Primenews
Gastkommentar von Constantin Sander, Business-Coach in Regensburg und Autor von „Change! Bewegung im Kopf“.
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