Wien. Beim Griechenlandpaket heißt es einmal ja, einmal nein. Ob eine Rezession vor der Tür steht, wagt niemand zu beantworten und wie es überhaupt wirtschaftlich weitergehen soll, scheint selbst für Experten ein unlösbares Rätsel zu sein. Fest dürfte jedoch bereits jetzt stehen, dass der Human Ressources-Bereich auch künftig eine entscheidende Rolle spielen wird. So sind zumindest die Keynotes der vergangene Woche abgehaltenen Fachmesse „Personal Austria“ zu deuten.
Kein Spaziergang
„HR wird weiterhin eine wichtige Funktion für Unternehmen erfüllen. Die eigenen Skills entwickeln sich weiter, vor allem ganzheitliches Denken ist erforderlich“, meinte etwa Alfred Wiktorin, interner IBM-Berater im Bereich Human Resources (HR) für CEE und MEA. HR-Manager würden seiner Meinung nach stärker gefordert, ihren Mehrwert darzustellen. Ein besonderes Problem stelle Wiktorin zufolge die demografische Entwicklung dar: „2020 wird es bereits in Nordamerika zu einem massiven Know-how-Verlust durch das Ausscheiden älterer Arbeitnehmer kommen. Viele Unternehmen ignorieren diese Tatsache und setzen keine adäquaten Maßnahmen“, kritisiert der Experte.
„Dieser Bereich wird uns in den nächsten Jahren sehr beschäftigen, denn wir werden eine erkleckliche Anzahl an Mitarbeitern im Zuge von Pensionierungen verlieren“, skizzierte auch Doris Tomanek, Vorstand für Human Resources Austria und CEE bei der Bank Austria, eine der größten Herausforderungen im Personalbereich. Eines der Megathemen sei ihrer Meinung nach der Komplex „Cultural Diversity“: „Das Thema hat viele Facetten und betrifft uns täglich, weil wir laufend mit Menschen zu tun haben, die anders sind als wir“, betont Tomanek, dass sich dieser Themenkreis über Geschlecht, Alter, ethnische Herkunft, Religion, sexuelle Orientierung und Behinderung hinweg spanne. Und auch wenn Vielfaltsmanagement ihrer Meinung nach natürlich Konfliktpotenzial berge, biete Diversity „Arbeitgebern klare Wettbewerbsvorteile“ und sei „ein Muss bei Mitarbeiter- und Kundenbeziehungen“.
Keine „Zwangsbeglückung“
Kein Muss sollten ihrer Meinung nach Frauenquoten sein: „Natürlich kann man nicht Frauen mit einer Karriere zwangsbeglücken, trotzdem ist es mein persönliches Ziel, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen“, so Tomanek. Quoten seien nicht unbedingt der richtige Weg. Bei der Besetzung von offenen Positionen müsse man aber dafür sorgen, dass zumindest auch Frauen auf der Kandidaten-liste stehen. Neben Gesundheits- und Life-Style-Themen spiele in diesem Zusammenhang auch das Thema Work-Life-Balance eine bedeutende Rolle: „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein wichtiger Faktor, Unternehmen müssen ein entsprechendes Umfeld schaffen“, fordert die Expertin, die auch eine Verfechterin von flexiblen Arbeitszeitmodellen ist.
„Keine Packerl“
Flexibel müsse man auch bezüglich der Rekrutierung ausländischer Fachkräfte sein, konstatierte etwa Johannes Kopf, Vorstand des AMS Österreich. Österreich stehe mit anderen Ländern in einem Wettbewerb um ausländische Arbeitskräfte. Um Menschen aus dem Ausland für die Arbeit in Österreich zu gewinnen, seien daher große Initiativen und Anstrengungen nötig, bei denen er insbesondere auch die Betriebe in der Pflicht sieht: „Arbeitskräfte sind keine Packerl, die man im Internet bestellen kann“, so Kopf abschließend. (red/Ag.)
Die heißen Eisen 2012
Thursday, 27. October. 2011 | career & network
Personal Austria: Im Rahmen der Messe wurden die künftigen „Megathemen“ im HR-Bereich laut angedacht. Die Bandbreite reicht von Frauenquote über Fachkräftemangel bis hin zum demografischen Wandel.

Für AMS-Vorstand Johannes Kopf ist das Rekrutieren ausländischer Arbeitskräfte eines der künftigen Megathemen im Human Resources-Bereich.
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