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08.02.10

ORF-Publikumsrat 2 - SPÖ brachte nur Meryn durch

©
Stimmensplitting kostete SPÖ Sieg - Machtverhältnisse im Stiftungsrat bleiben gleich

Wien. Die SPÖ hat in der ORF-Publikumsratswahl offenbar nur die Kategorie "Eltern bzw. Familien" für sich entscheiden können, wo der von den Kinderfreunden nominierte bekannte Facharzt Siegfried Meryn die meisten Stimmen erhielt. Die ÖVP-Kandidaten waren dem Vernehmen nach in den übrigen Kategorien "Bildung", "Jugend", "Ältere Menschen", "Sport" und "Konsumenten" siegreich. Bei den Machtverhältnissen im entscheidenden ORF-Stiftungsrat dürfte es damit zu keinen gravierenden Änderungen kommen.

Den erwarteten Sieg gekostet dürfte die SPÖ vor allem der Umstand haben, dass in fast allen Kategorien zwei ernstzunehmende Kandidaten aus dem roten Lager antraten, wodurch es zu einem Stimmen-Splitting gekommen ist - eine Erfahrung, die die ÖVP schon bei der letzten Publikumsratswahl gemacht hatte. In medienpolitischen Kreisen war deshalb auch von einem strategischen Fehler der SPÖ die Rede.

An den Machtverhältnissen im obersten ORF-Aufsichtsratsgremium, dem ORF-Stiftungsrat, dürfte sich damit nicht all zu viel ändern. Der Beschickungsschlüssel des Publikumsrats in den Stiftungsrat wird nach dem vorliegende Wahlergebnis vermutlich gleichbleiben. Wie bisher dürfte die Hörer- und Sehervertretung drei SPÖ-nahe, zwei ÖVP-nahe und einen unabhängigen Kandidaten in den ORF-Stiftungsrat entsenden. Damit wird die SPÖ im Stiftungsrat voraussichtlich weiterhin 15 von 35 Vertretern haben.

Bei einem Sieg bei der Publikumsratswahl wäre eine rote absolute Mehrheit zumindest in Reichweite gewesen. Medienbeobachter gehen nun davon aus, dass die ÖVP beim zuletzt verzögerten ORF-Gesetz wieder von der Bremse steigt.(APA)