Wien. Anlässlich eines Symposiums, zu dem die Österreichische Gesellschaft für probiotische Medizin (ÖPROM) vergangenes Wochenende nach Wien geladen hat, wurden neue Entwicklungen der Probiotik beleuchtet und diskutiert. Mit dem Thema Spitalskrankheit brachte der Physiologe Gerhard Ernst Steyer ein heißes Thema aufs Tapet: 19.000 Menschen sterben in den USA jährlich an sogenannten MRSA-Infektionen in Krankenhäusern, das sei eine höhere Zahl als bei HIV-Aids.
Grund dafür: MRSA-Bakterien sind gegen die meisten Breitband-Antibiotika resistent. Stellen sie für Menschen mit einer starken Immunabwehr keine Gefahr dar, kann es bei geschwächten Personen zu Ansteckungen kommen. Gerade für Kinder oder ältere Menschen kann das mitunter lebensbedrohlich sein. Besonders oft treten MRSA-Infektionen in Altersheimen und Krankenhäusern auf: In Österreich erleiden etwa 55.000 Patienten im Jahr eine Krankenhausinfektion, schätzen Experten. Die daraus resultierende Zahl an jährlichen Todesfällen schwankt zwischen 280 und 4.800.
Antibiotika machen krank
Der Grund: Antibiotika zerstören oft zu viele gesunde Darmbakterien und bringen so die Darmflora aus dem Gleichgewicht. 25 bis 50% aller mit Antibiotika behandelten Patienten leiden unter Nebenwirkungen wie Durchfälle, die gefährlich werden können. Aber wie kriegt man die Keime? „Sie werden zum Beispiel operiert und verbringen dann zwei Tage auf der Intensivstation. Und dort werden Sie dann richtig krank“, erklärt Wolfgang Graninger, Infektiologe vom AKH Wien, in einem Interview mit der Wiener Zeitung. Keimüberträger sind vor allem die Hände des Krankenhauspersonals. Schutz bietet die Prävention: Gerhard Ernst Steyer verwies am ÖPROM-Symposium auf das vom Grazer Institut Allergosan erzeugte Probiotikum „Omni-Biotic 10“. Probiotische Bakterien können Abhilfe schaffen, indem sie auf den Darm, den Stoffwechsel und das ganze Immunsystem einwirken. Entscheidend ist dabei eine Zusammensetzung unterschiedlicher vermehrungsfähiger Bakterien, die den Wiederaufbau der Darmflora erst möglich macht. Das Innovative an „Omni-Biotic 10“, so Steyer, sei die Kombination von zehn verschiedenen Bakterienstämmen, deren Potenzial im Kampf gegen die Erreger wissenschaftlich erwiesen ist. Zudem liefere das Medikament leichter verdauliche Ballaststoffe mit, die die probiotischen Keime als Nahrung für ihr Wachstum benötigen.
Hilfe beim Abnehmer
Anita Frauwallner, Präsidentin der ÖPROM, stellte beim Symposium auch eine neue Möglichkeit vor, die Darmflora als Spielverderberin beim Abnehmen zu verhindern: Untersuchungen hätten gezeigt, dass bei Menschen mit Übergewicht das Verhältnis zweier Bakteriengruppen im Darm nicht ausgewogen ist. Dadurch werden Kohlenhydrate produziert und Kalorien umso stärker aus dem Essen gezogen – bis zu einer um 12% höheren Kalorienmenge am Tag. Und das mache jeden noch so strengen Diätplan sinnlos, schildert Frauwallner. „Omni-Biotic metabolic“, wie der Name schon verrät ebenfalls aus dem Hause Allergosan, wurde speziell dafür entwickelt, in diesen Fällen entgegenzuwirken: Durch die Zufuhr fehlender gesunder Keime wird die Balance wiederhergestellt.
Krankenhausinfektionen leicht behandelbar
Friday, 03. December. 2010 | health care
Forschung I Experten schätzen, dass jährlich bis zu 4.800 Menschen in Österreich an MRSA-Infektionen sterben. Symposium der Österreichischen Gesellschaft für probiotische Medizin sucht neue Wege
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