Peter Drucker Management Forum: Nichts ist mehr, wie es war

Friday, 19. November. 2010 | news

Die internationale Elite aus Theorie und Praxis diskutiert im Wiener Haus der Industrie. Die Thesen des „Erfinders des Managements“ sind im Lichte derzeitiger Entwicklungen aktueller denn je.

„Das freie Unternehmertum lässt sich nicht dadurch rechtfertigen, dass es dem Geschäft dient. Es lässt sich nur dadurch rechtfertigen, dass es der Gesellschaft dient“, postulierte der österreichstämmige Philosoph und Ökonom Peter F. Drucker.


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Wien. Gleich ob es die unentschiedene Position der EU angesichts des drohenden irischen Staatsbankrotts ist oder ob die Querelen rund um die heimische Budgetplanung Beobachtern die Haare zu Berge stehen lassen: Meist endet die Suche nach der Wurzel des Übels beim Versagen des Managements – in der Planung, Organisation, Führung und Steuerung wirtschaftlicher Prozesse. Und das klammert die Politik, die die Rahmenbedingungen für eine funktionierende Wirtschaft schafft (oder besser schaffen soll) nicht aus. „The man who invented management“ nannte die New York Times den österreichstämmigen Philosophen und Ökonomen Peter F. Drucker, der vergangenes Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. „Peter Drucker‘s ideas stand the test of time“, titelte eben dieses Medium kürzlich: Durch die aktuellen Krisen bekämen seine Theorien ein Höchstmaß an Dringlichkeit. In Österreich gehört Drucker nach wie vor nicht zur Standardliteratur angehender und praktizierender Unternehmenslenker; Experten bezeichnen ihn jedoch als wichtigsten Management-Theo-retiker des 20. Jahrhunderts.

Managing the „Next Society“

Derzeit diskutiert die internationale Management-Elite in Wien Druckers Werk: Gestern und am heutigen Freitag findet im Haus der Industrie, nach der Auftaktveranstaltung im vergangenen Jahr, das zweite „Peter Drucker Management Forum“ unter dem Generalthema „Managing in the next Society“ statt. Die Frage, warum erst „the next Society“ im Fokus des Forums stehe und nicht die bestehende, die wahrlich genügend offene Fragen zu bewältigen hat, beantwortete Richard Straub, Präsident der Peter Drucker Society of Europe, bei einem Pressefrühstück am Mittwoch: „Die nächste Generation ist schon heute sichtbar, wenn man nur wirklich schaut“, zitierte er einen Ausspruch Druckers. Die Änderungsdynamik in Wirtschaft und Gesellschaft bedürfe jetzt „neuer Antworten, denen sich das Management stellen muss“.

Thematisiert wird auch Corporate Social Responsibility als integrierte Funktion des Managements, die soziale Verantwortung nicht nur für das eigene Unternehmen und die Mitarbeiter beinhalte, sondern eben auch für die Gesellschaft insgesamt. „Das freie Unternehmertum lässt sich nicht dadurch rechtfertigen, dass es dem Geschäft dient. Es lässt sich nur dadurch rechtfertigen, dass es der Gesellschaft dient“, postulierte Drucker. Dies spiegle auch das vorhandene Bedürfnis moderner Führungskräfte nach einer Gesamtverantwortung wider, ergänzte Wilfried Stadler, Vorsitzender des Drucker Society-Advisory Board. Der ehemalige Investkredit-Chef lehrt als Dozent für Wirtschaftspolitik an der WU Wien.

Druckers Konzepte begrüßen die Profitorientierung, ohne sie jedoch als alleiniges Unternehmensziel von der Gesamtstrategie abzukoppeln; Konzerne wie GM, Toyota oder IBM vertrauten seiner Expertise – und fuhren gut damit. In den vergangenen Jahren des Kasinokapitalismus gerieten seine Thesen jedoch in Vergessenheit. Druckers allererstes Buch „The End of Economic Man“ (London 1939) gilt im englischsprachigen Raum und in Japan seit Langem als Klassiker. Unter „Ursprünge des Totalitarismus. Das Ende des Homo Oeconomicus“ ist es im Wiener Karolinger Verlag nun erstmals auch auf Deutsch erschienen. (sb)


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