Wien. In Österreich spielen Familienunternehmen eine zentrale Rolle. Nach Einschätzung von Experten sind 80% aller Unternehmen in Österreich in Familienbesitz und beschäftigen mehr als 70% aller Beschäftigten. Die Dialogplattform „iff – Input für Familienunternehmen“ wollte es wissen und führte persönliche Einzelgespräche mit Unternehmern in Oberöster-reich, um sichtbar zu machen, wie Familienunternehmer über strategische Unternehmensführung in den vier Interessensfeldern Unternehmen, Familie, Vermögen und Unternehmerpersönlichkeit denken. Die Ergebnisse: Mit über 80% erklärte die deutliche Mehrheit der Unternehmen ihr „Erfolgsgeheimnis“ mit einer „formulierten und kommunizierten Vision und einer darauf abgestimmten Marketingstrategie mit hoher Umsetzungskompetenz“. Langfristige strategische Ziele werden von 46% der Befragten gemeinsam mit der ersten Führungsebene entwickelt; mehr als ein Drittel formuliert sie allerdings allein.
Viel „Gspür“ beim Personal
Wesentliche Faktoren des operativen Gelingens seien Innovationskraft (82%) und Flexibilität (71%), gefolgt von effizienten Prozessen (57%). Sämtliche Befragten sehen sich zudem mit ihrem Team für jegliche Herausforderungen bestens gerüstet – das zeige, so die Interpretation von iff, „die hohe Umsetzungskompetenz in eigentümergeführten Betrieben, die (...) offensichtlich auch in der Personalauswahl ein besonders gutes Gespür für eine kompetente, leistungsorientierte und vor allem stimmige Mannschaft beweisen“. Die Kommunikation und Information läuft in Familienbetrieben primär auf direktem Weg, weniger über Instrumente wie Intranet oder Newsletter. Und wenngleich in der externen Kommunikation die Bedeutung der Markenführung, Reputation und des Image des Unternehmens mit 85% einen hohen Stellenwert einnimmt, kommen klassische Werbung und verkaufsfördernde Maßnahmen nur mit viel Bedacht auf den Kosten-Nutzen-Effekt zum Einsatz. Hier ist es zunehmend die klassische Presse- und Medienarbeit, deren Bedeutung im KMU-Bereich steigt.
Usus: 50-/60-Stunden-Woche
Auch traditionsreiche Familienunternehmen werden allerdings heute nicht mehr vom Küchentisch geleitet: Längst setzt man auf professionelles Management, das nicht notgedrungen aus dem „eigenen Clan“ rekrutiert werden müsse, der oft auch aus den Details des Arbeitsalltags herausgehalten wird. Privates Vermögen werde vom Firmenvermögen getrennt. 93% der Befragten messen einer ausgeglichen Work-Life-Balance einen großen bis sehr großen Einfluss auf den unternehmerischen Erfolg bei: Nur knapp über die Hälfte bekennt sich zu einer 50- bis 60-Stunden-Woche, sieben Prozent liegen darüber und immerhin 11% schaffen es, mit weniger als 40 Stunden Arbeitseinsatz ihr Unternehmen erfolgreich zu führen. (red)
Wenn die Familie die Firma führt
Tuesday, 21. September. 2010 | company&marketwatch
Die Dialogplattform „iff – Input für Familienunternehmen“ führte Einzelgespräche mit Unternehmern in Oberösterreich. Fazit: Familienunternehmer sind „besser, schneller, persönlich zufriedener“.

Das iff-Team: Hubert Lang, Thomas Zeinhofer, Ernestine Lumper-Wiesinger, Rosemarie Schuller, Alexander Artmann, Gerhard Feilmayr und Reinhold Scherhaufer
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