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Die neuen Riesen heißen Etsan, Hürpas und Aycan

Wien. Die Bundeshauptstadt hat mehr Kebap-Buden als Würstlstände und mehr türkische als heimische Einzelhändler. Ersteres stimmt, zweiteres ist getürkt. Eines steht jedoch fest: Die Einwanderer aus dem Mittelmeerstaat stehen nicht nur vorm drehenden Fleischspieß, sondern auch hinter der Geschäfts-Pudel. In jedem noch so kleinen Grätzel, in einem noch so kleinen Geschäft ist der türkische Gemüsemann häufig der einzig wackere Nahversorger weit und breit. Laut Wirtschaftsmagazin Brand eins hat das banale und unschöne Gründe: Nämlich die Mentalität, die entsteht, wenn man als Migrant von unten in eine Gesellschaft einsteigt. Die Einwanderer jammern nicht, wenn‘s ums Malochen geht. Sie machen ihren Job, weil sie wissen, dass die Arbeit ihr Überleben sichert. Einwandern heißt Unterdrückung, Ausbeutung und Rassismus. Aber auch Aufstieg und Erfolg.“
Neue Kolonialwarenläden
Fast 30 Prozent, sprich mehr als ein Viertel der Wiener Unternehmer, hat einen migrantischen Hintergrund. Laut Ethno-Agentur MC&O leben in Österreich 250.000 Türken, ihr Einkommen beträgt zwei Mrd. €. Im Handel sind sie überaus agil – und erfolgreich. Die Wirtschaft ist weiter als die Politik, die Integration scheint hier besser zu funktionieren, sagt dann auch der Ex-Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Nettig, bei der Eröffnung der Eco MiGro Messe in der Wiener Stadthalle. Doch die Zahlen schön und gut – eines, so hört man, müsse von den Wirtschaftstreibenden mit Migrationshintergrund durchaus noch verbessert werden: das Selbstbewusstsein.
Eine Million Liter Efes
Die zweite oder dritte Generation tut sich damit ohnehin leichter. Denn während die Eltern Waren zu Niedrigpreisen verschleuderten, haben die Kinder die Geschäfte mittlerweile häufig in Multikulti-Kolonialwarengeschäfte umgewandelt. Selbst den Großhandel haben sie im Griff: Der größte türkische Importeur ist die Firma Orient. Sie vermarktet 1.200 Produkte und hat Niederlassungen in Linz, Salzburg und Wien. Der Bestseller sind Oliven, allein 150 Sorten hat das Unternehmen im Sortiment: Das Geschäft brummt, selbst eine Eigenmarke namens ECE gibt es mittlerweile. Über Zahlen wird dennoch geschwiegen. Nur so viel: „Wir machen zehn Prozent Umsatzsteigerung“, so Emriye Can, Marketingmanagerin bei Orient. Sie beobachtet, dass immer mehr Österreicher zum Ethno-Food greifen. Multikulti ist nicht nur in den Köpfen, sondern eben auch im Regal angekommen.
Auch die Firmenbosse leben den diesen Gedanken: „Ich mach den besten Wiener Melange“, sagt Ismail Karabulut. Er ist Chef der Firma Sabex, eine der größten Importfirmen aus der Türkei. (Umsatz: 5,5 Mio. € netto ohne Steuer, Steigerung: drei Prozent). Monatlich empfängt er am Großgrünmarkt zehn Container mit Tomatenmark, Kichererbsen, Sonnenblumenkernen, Pistazien, Limonaden, Raki und Bier. Vom Bier Efes ist er Generalimporteur, sprich jedes Efes, das hierzulande eingeschenkt wird, stammt von Sabex. Fast 1 Mio. l verkauft er jährlich. Bei 400 Sorten Imortbier ist das nicht schlecht, sagt er. Die Zielgruppe ist jung, das Bier schick und sexy.
Mittlerweile trinken es bereits mehr Österreicher als Türken, insbesondere in Beisln: Sabex macht 70 bis 80% des Umsatzes in der Gastronomie. Doch auch zum Lebensmittelhandel liefert die Firma, konkret zu Merkur, Penny, Metro und Wedl. Da geht es schon sehr hart zu, erzählt er. „90 Prozent Marktanteil der österreichischen Ketten sind einfach viel zu viel.“
Aber auch die türkischen Supermarkt-Ketten kommen ins Land. Und damit kommt die Angst, dass den türkischen Kaufleuten genau das passiert, was einst den heimischen konventionellen LEH durcheinanderwirbelte – und ausdünnte. Die Riesen heißen Etsan (12 Filialen) , Hürpas (10) und Aycan (9) und sie mischen jetzt schon kräftig mit. Manche Kleine müssen ihre Läden bereits dicht machen, sagt der Kaufmann Yildiz Ünsal.
Aufschreiben erlaubt
Ünsal indes hält mit seinem Geschäft im 15. Wiener Gemeindebezirk seit 1995 wacker durch. Er hat 80% Stammkunden, mehr als die Hälfte sind Österreicher. Wie viele seiner Kollegen arbeitet er im Familienkollektiv, das ermöglicht flexible Arbeitszeiten und niedrige Personalkosten. Nicht zuletzt deshalb lieben ihn seine Kunden. Er bedient freundlich, nie aufdringlich, er packt den Einkauf gleich ins Sackerl ein, nimmt es mit den Centbeträgen nicht so genau, rundet gern mal ab und hat man zuwenig Geld eingesteckt, dann ist das auch kein Problem. Ünsal liebt seine Kunden und seine Kunden lieben ihn. Sie sagen „meine Türke“ zu ihm. Und er sagt „Vielen Dank, schönen Tag, auf Wiedersehen.“ So freundlich, dass man fast schon gerührt ist.









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